Geil! Mercedes-Benz Vision EQXX: 1008 Kilometer mit einer Akkuladung | Voice over Cars

Der 4,98 Meter lange, ohne Außenspiegel 1,87 Meter breite und gerade einmal 1,35 Meter flache Mercedes VISION EQXX verfügt über einen Radstand von 2,80 Meter und hat auf seiner Jungfernfahrt von Sindelfingen über die Schweizer Alpen und Norditalien nach Cassis an der wunderschönen Côte d’Azur über 1.000 Kilometer im realen Alltagsverkehr zurückgelegt – mit einer einzigen Batterieladung.

Ich spanne euch gar nicht lange auf die Folter: Der Ladezustand des Akkus bei der Ankunft betrug rund 15 Prozent, die Restreichweite somit ca. 140 Kilometer. Der Durchschnittsverbrauch des VISION EQXX lag bei rekordverdächtig niedrigen 8,7 kWh pro 100 Kilometer.

Das Streckenprofil – von Autobahnetappen bis hin zu Bergpassagen und Baustellen – und die Wetterbedingungen stellten den VISION EQXX vor unterschiedlichste Herausforderungen. In Sachen Topographie hat sich das Entwicklerteam eine für Elektrofahrzeuge reizvolle Streckenführung ausgedacht, allerdings spielen auch andere Faktoren eine größere Rolle.
Die Temperaturspanne reichte von nur 3 Grad Celsius bei der Abfahrt am Forschungs- und Entwicklungszentrum in Sindelfingen bis zu 18 Grad Celsius am Ziel. Nördlich der Alpen regnete es bei der Probefahrt leicht und weiter südlich wehte bei Sonnenschein ein leichter Wind. Die Wirkung der zahlreichen Effizienzmaßnahmen wurde anhand unterschiedlicher Streckenabschnitte dokumentiert.

Die erste Etappe ab Sindelfingen bis zur nordöstlichen Grenze der Schweiz verlief über die Autobahn 81. Der VISION EQXX stemmte sich zeitweise mit bis zu 140 km/h gegen den Wind. Mit seinem niedrigen cW-Wert von 0,17 bietet er diesem allerdings kaum Angriffsfläche. Dazu muss man wissen, dass je höher die gefahrene Geschwindigkeit, desto höher auch der Luftwiderstand ist. Vor allem bei Geschwindigkeiten jenseits der 100 km/h steigt der Verbrauch daher überproportional an. Das gilt für konventionell, aber auch für elektrisch angetriebene Fahrzeuge.
Die weltbeste Aerodynamik unter Fahrzeugen mit Straßenzulassung resultiert aus dem intelligenten Zusammenspiel vieler Einzelmaßnahmen. Angefangen bei der Grundform der Karosserie, die die glattflächige Kuppel des Greenhouse integriert und elegant wie ein Wassertropfen nach hinten fließt. Ebenso vorteilhaft in Sachen geringer Luftwiderstand sind die geringe Stirnfläche von 2,12 m² und die verringerte hintere Spurbreite. Sie ist 50 mm schmaler als vorne, wodurch die Hinterräder im Windschatten der Vorderräder rollen. Klingt komisch, ist aber so. Der aktive Heckdiffusor, der bei 60 km/h automatisch ausfährt, sorgt für eine bessere Luftführung und trägt somit maßgeblich zum verminderten Luftwiderstand bei.
Eine auffällige Besonderheit ist die neue Reifendimension 185/65 R 20 97 T, die für einen großen Durchmesser bei schmaler Lauffläche steht. Die speziellen Turanza Eco-Reifen kombinieren zwei innovative Technologien von Bridgestone, die eine höhere Reichweite ermöglichen sollen. Weniger Rollwiderstand und Gewicht, sowie eine geringere Verformung des Reifens während der Fahrt.

Zu den besonderen Merkmalen des VISION EQXX zählt auch der konsequente Leichtbau, der sich vor allem an Steigungen positiv auswirkt. Auf dem Streckenabschnitt zwischen Amsteg und Göschenen geht es 14 Kilometer am Stück bergauf, mit bis zu fünf Prozent Steigung. Hier, wo jedes Gramm an Mehrgewicht Energie „frisst“, punktet der VISION EQXX mit seinem Leergewicht von nur 1.755 Kilogramm.

Der in Zusammenarbeit mit den Experten vom Mercedes-AMG Petronas Formel 1 Team neu entwickelte Stromspeicher des VISION EQXX hat mit 100 kWh fast die gleiche Energiemenge wie der Akku des EQS, der im weltweiten Vergleich der kaufbaren Elektroautos Bestwerte erzielt. Allerdings hat er 50 Prozent weniger Volumen und 30 Prozent weniger Gewicht. Der Effekt: Die kompakte, nur 200 x 126 x 11 cm große und mit 495 Kilogramm vergleichsweise leichte Batterie passt in einen Kompaktwagen.

Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 87,4 km/h ging es in die letzte Etappe. Kurz vor seinem Zieleinlauf in Cassis sammelte der VISION EQXX nochmal Energie durch die sogenannte Rekuperation. Nach 11 Stunden und 32 Minuten reiner Fahrzeit beendete das Team den 1.008 Kilometer langen Roadtrip mit einer Restreichweite von rund 140 Kilometern. Damit könnte man sofort ohne Nachladen wieder aufbrechen zu einem kleinen Trip entlang der südfranzösischen Mittelmeerküste. Wir gratulieren und hoffen auf baldige Serienfahrzeuge mit einer Reichweite von 1.000 Kilometer mit nur einer Akkuladung, denn dann dürften auch die restlichen Stammtischnörgler verstummen, was sagt ihr zu diesem außergewöhnlichen Elektro-Roadtrip? Schreibt uns eure Meinung doch gerne in die Kommentare.