Warum Opel eigentlich den Erfolg des VW Transporters hätten haben müssen – Voice over Cars

Opel hätte eigentlich eine Art Transporter wie den legendären Volkswagen T1 bauen können. Nachfolgende Fotos sind eine Sensation, denn dieses Modell hätte die Automobile Geschichte durchaus verändern können.
Der Opel Blitz-Transporter in den historischen Aufnahmen ist offensichtlich fertig entwickelt und fahrbereit. Der Projektname ist auf der Rückseite neben dem damaligen Stempel der Opel-Fotoabteilung mit Bleistift vermerkt: 1.5-23 COE. Die Ziffern weisen auf den Hubraum (1488 cm3) und den ungefähren Radstand hin. Dieser liegt bei 2,40 Meter. Das Kürzel COE steht nicht für Coesfeld, sondern für „Cab Over Engine“, zu deutsch – Kabine über dem Motor, oder auch Frontlenker.

Obwohl das Konzept der Frontlenker-Bauweise schon in den 1930er Jahren innovativ war, kam es erst danach so richtig zum tragen. Genauer gesagt in den 50er Jahren. Durch die kompakteren Außenmaße im Vergleich zu dem damals verbreiteten Haubenwagen-Design mit weit vorstehender Schnauze, ist der Laderaum trotzdem gleich groß geblieben. Das ist sowohl wirtschaftlich, als auch in Sachen Wendigkeit von Vorteil. Der Motor befindet sich unter oder kurz vor der Sitzbank – was dem ganzen noch einmal einen modernen Touch gibt.

Vor dem Zweiten Weltkrieg waren erste Transporter nur in kleinen Stückzahlen in den USA, Deutschland und Frankreich auf dem Markt. Die beiden deutschen Frontlenker-Vertreter von Goliath und Magirus stammten aus den frühen 1930er Jahren und hatten ein spartanisches, würfelförmiges Führerhaus. Als Antrieb dienten ihnen Zweitakt-Zweizylindermotoren. Stattdessen war die Kundschaft dieser Zeit Autos mit langer Motorhaube gewöhnt, die der damalige europäische Nutzfahrzeug-Marktführer Opel unter den Namen „Lieferungswagen“, „Geschäftswagen“ und „Blitz“ in Nutzlastklassen von 0,3 bis 3,0 Tonnen anbot.

Die Karosserie des Frontlenker-Blitz präsentiert sich schnörkellos und funktional. Die stromlinienförmige Gestaltung und die großen, glatten Flächen des Fahrzeugs unterstreichen seine Modernität. Die schwarz abgesetzten Kotflügel sind eine Referenz an die bestehenden Opel-Nutzfahrzeuge und sorgen für einen optisch homogenen Auftritt der Modellpalette. Seinen progressiven Charakter erhält der Wagen durch die markante Front mit Art-Déco-Zierelementen. Sie betonen ausnahmslos die Horizontale und verleihen dem Nutzfahrzeug ein modernes und freundliches Gesicht. Ein Lieferwagen mit Sympathie-Faktor – damals ein völlig ungewohnter Anblick. Der Art-Déco-Stil war übrigens Ende der 1930er Jahre bei allen Opel-Pkw angesagt: bei den Modellen Kadett und Olympia genauso wie bei Super 6, Kapitän und Admiral.

Der Transporter profitiert von der langjährigen Erfahrungen der Opel Ingenieuren. Damals konnten sie auf Komponenten aus anderen Modellen, wie den brandneuen 1,5-Liter-Vierzylinder des Olympia oder die Achsen des bewährten Blitz-Eintonners zurückgreifen. Die Karosserie ist – außer der Trennwand, dem Ladeboden und einem Teil des Dachs – in fortschrittlicher Ganzstahl-Bauweise ausgeführt. Obwohl nicht viel über die technischen Details des Blitz 1.5-23 COE bekannt ist, haben Opel Classic Experten doch noch ein Dokument im Opel Archiv gefunden, in dem das Fahrzeug Erwähnung findet: Eine englischsprachige Informationsbroschüre für das Modelljahr 1937. Aus diesem kann man neben der zeitlichen Einordnung und einigen Eckdaten entnehmen, dass es neben der Eintonner-Variante, die auf den Bildern zu sehen ist, auch einen 1,5-Tonner mit Sechszylinder und Zwillingsbereifung geben sollte.
Darüber hinaus konnten durch den Fotofund nun auch fünf im Opel-Archiv befindliche Profil-Zeichnungen zugeordnet werden. Sie zeigen neben dem Lieferwagen auch Pritschenwagen – und eine 15-sitzige Kleinbus-Variante des Blitz 1.5-23 COE.

Die Gründe, warum der fortschrittliche Blitz-Eintonner-Lieferwagen nicht in Serie geht, liegen wohl in den deutschen Kriegsvorbereitungen in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre. Leichte Nutzfahrzeuge waren als nicht kriegswichtig eingestuft, Opel musste mit einer erzwungenen Einstellung des Fahrzeugs rechnen. Der seit 1933 angebotene Blitz-Eintonner mit Haube wird dann auch 1940 auf Anweisung vom Markt genommen. Die Wiederaufnahme der Fahrzeugproduktion in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre erfolgt mit den nur leicht modifizierten Vorkriegsmodellen Olympia, Kapitän und Blitz 1,5-Tonner. Und ab den 1950er Jahren konzentriert sich Opel dann auf die Entwicklung von Personenwagen und setzte hier zunächst die unternehmerischen Schwerpunkte.

Eigentlich hätte Opel damals den Vorgänger des ID. Buzz entwickeln können, das Zeug war da, das Know-How scheinbar auch und wer weiß wie es heute um die Marke mit dem Blitz stehen würde, hätte man damals dieses Konzept nicht einfach verstauben lassen.